Freiheit braucht Selbstbegrenzung
«Der Sinn von Politik ist Freiheit.»
Hannah Arendt
Mit diesem kurzen Satz beschrieb Hannah Arendt nicht einfach ein Recht, das der Staat seinen Bürgern gewähren soll. Freiheit war für sie der Sinn des Politischen selbst: Menschen begegnen einander in ihrer Verschiedenheit, sprechen miteinander und gestalten ihre gemeinsame Welt. Eine Demokratie lebt deshalb von der freien Meinungsäusserung. Sie setzt nicht voraus, dass wir dieselben Überzeugungen teilen. Im Gegenteil: Sie ist ein Verfahren, mit dessen Hilfe Menschen trotz unterschiedlicher Interessen, Erfahrungen und Weltanschauungen friedlich zusammenleben können.
HW
on Sonntag, 27 September 2026.
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Wem muss ich eigentlich gefallen?
«Das merkwürdige Paradox ist, dass ich mich erst dann verändern kann, wenn ich mich so akzeptiere, wie ich bin.»
— Carl Rogers, On Becoming a Person (1961), sinngemäss übersetzt.
Wer bin ich? Eine scheinbar einfache Frage, auf die wir erstaunlich selten eine einfache Antwort finden. Wir kennen unseren Namen, unsere Herkunft, unseren Beruf und vielleicht auch unsere Stärken und Schwächen. Wir wissen, was wir besitzen, was wir erreicht haben und was andere über uns denken. Doch beschreibt all das tatsächlich den Menschen, der wir sind? Vielleicht beginnt die Schwierigkeit damit, dass wir nicht nur ein einziges Bild von uns selbst besitzen, sondern mindestens drei, die uns durch unser ganzes Leben begleiten.
HW
on Sonntag, 27 September 2026.
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Impfen, ja oder nein?
Li Wenliang wurde bekannt, weil er schon frühzeitig die Gefahren der durch die neue Coronavirus Variante SARS-CoV-2 verursachten Lungenentzündung COVID-19 erkannte und seine ärztlichen Kollegen davor warnte. Er wurde dafür von den chinesischen Behörden wegen „Verbreitung von Gerüchten“ gemassregelt. Li erkrankte später im Verlauf der COVID-19-Pandemie selbst an einer Lungenentzündung und starb im Alter von 33 Jahren an den Folgen dieser Infektion.
HW
on Samstag, 17 April 2021.
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Man wird das ja noch sagen dürfen.
«Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich würde bis auf den Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.»
— Evelyn Beatrice Hall, The Friends of Voltaire (1906)
Die freie Meinungsäusserung ist eine Errungenschaft unserer Zivilisation. Generationen vor uns haben dafür gekämpft, dass Menschen ihre Überzeugungen aussprechen, Herrschende kritisieren und gesellschaftliche Missstände benennen dürfen. Dieses Recht schützt besonders die unbequeme, widersprechende und unpopuläre Meinung. Die angenehme und allgemein akzeptierte Meinung benötigt diesen Schutz kaum.
HW
on Freitag, 12 März 2021.
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Über den Irrtum, die Wahrheit zu besitzen
«Wir sehen die Dinge nicht so, wie sie sind. Wir sehen sie so, wie wir sind.»
— Anaïs Nin, Seduction of the Minotaur
Ich behaupte nicht mehr, dass es keine Wahrheit gibt. Ich behaupte vielmehr: Niemand besitzt sie. Zumindest nicht in jener vollständigen, eindeutigen und allgemeingültigen Form, in der Menschen gewöhnlich von ihr sprechen. Die Wirklichkeit ist vorhanden, unabhängig davon, wie wir sie wahrnehmen. Wahrheit entsteht als Anspruch dort, wo wir versuchen, diese Wirklichkeit zu erfassen, in Worte zu fassen und zu erklären. Hermann Hesse unterscheidet in seiner Erzählung Meng Hsiä zwischen der Wirklichkeit und den unzähligen Wahrheiten, die Menschen über sie formulieren. Jede dieser Wahrheiten erfasst einen Ausschnitt – und jede bleibt deshalb ebenso begrenzt wie die Perspektive, aus der sie entstanden ist.
HW
on Freitag, 05 März 2021.
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Mehrheitsherrschaft allein genügt nicht.
«Die Tyrannei der Mehrheit wird im Allgemeinen zu den Übeln gezählt, vor denen sich die Gesellschaft hüten muss.»
— John Stuart Mill, Über die Freiheit (1859)
Demokratie bedeutet nach dem altgriechischen «Herrschaft des Staatsvolkes». Dies kann mit unterschiedlichen Systemen mehr oder weniger zutreffen. Demokratien anerkennen im Idealfall die Gewaltentrennung, welche in der Verfassung festgeschrieben ist. Ihr Ideal ist die Volksherrschaft. Ihr Ziel ist der Schutz der Rechte des Individuums. Dafür werden Gesetze verfasst, die entweder von einer Mehrheit der Bürger oder einer Mehrheit von Parlamentariern angenommen werden müssen, damit sie in Kraft treten können. Ihre Legitimität erhält sie aus den Stimmen der Bürger. Je höher die Stimmbeteiligung, je höher die Legitimität. Da jedes Individuum eine Stimme hat, sind Gleichberechtigung und Gleichbehandlung Grundsätze der Demokratie. Alle sind vor dem Gesetz gleich.
HW
on Samstag, 22 Dezember 2018.
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Für wen Verzicht gewinnbringend ist.
Erwerbsarbeit, Konsum und Besitz sind nach wie vor die treibenden Kräfte der früh-industrialisierten Gesellschaften und Basis für deren Gesetzgebungen. Materielle Prosperität und Reichtum bedeuten immer noch Ansehen, Glück und Lebenssinn. Auch unsere Alterssicherungen basieren auf diesen Pfeilern. Zu konsumieren bedeutet immer noch Freiheit und Segen. Längst schon wird viel mehr produziert als wir benötigen.
HW
on Donnerstag, 22 November 2018.
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Es gibt ein Wort im politischen Alltag, dass einer genaueren Betrachtung wert ist; «Liberal». Was im ersten Moment so offen und freiheitlich daher kommt, ja geradezu freundlich wirkt, verliert seinen Zauber, wenn man genauer hinschaut.
HW
on Mittwoch, 21 November 2018.
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Sprache ist mächtig. Ohne sie ist Leere im Geiste, ohne sie findet keine Erkenntnis statt. Bewusstes Wahrnehmen, wird nicht wenig durch unsere Sprache bestimmt. Sie ist machtvoll – und kann schön sein! Sie ist mehr als ein Vehikel für Inhalte und Bedeutung. Sie ist eine graziöse Tänzerin in den unendlich vielen Farbtönen der Assoziation. Sie vermag es, ein Feuerwerk aus Bildern in unserem Kopf zu zünden, sie ist rhythmisch und malt Klänge tief ins innerste Ohr.
HW
on Mittwoch, 21 November 2018.
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