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Articles in Category: Lektüre

Gesellschaften im Angesicht der Pandemie

Impfen, ja oder nein?

Li Wenliang wurde bekannt, weil er schon frühzeitig die Gefahren der durch die neue Coronavirus Variante SARS-CoV-2 verursachten Lungenentzündung COVID-19 erkannte und seine ärztlichen Kollegen davor warnte. Er wurde dafür von den chinesischen Behörden wegen „Verbreitung von Gerüchten“ gemassregelt. Li erkrankte später im Verlauf der COVID-19-Pandemie selbst an einer Lungenentzündung und starb im Alter von 33 Jahren an den Folgen dieser Infektion.

Ich habe es eilig

Übersetzt aus dem Portugiesischen

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.

Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten isst es mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig sind, beginnt es, sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Treffen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Regelungen besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen , die ungeachtet ihres Alters nicht erwachsen sind.

Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten umzugehen.

Ich will nicht in Versammlungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.

Ich dulde keine Manipulierer und Opportunisten.

Ich ärgere mich über Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihre Plätze, Talente und Errungenschaften anzueignen.

Leute diskutieren keine Inhalte, nur Überschriften.

Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren.

Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile …

Ohne viele Süssigkeiten in der Packung…

Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden.

Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen.

Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren.

Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja … ich habe es eilig … mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden …

Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.

Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

Eigensinn

Eine Tugend gibt es, die liebe ich sehr, eine Einzige. Sie heißt Eigensinn. – Von all den vielen Tugenden, von denen wir in Büchern lesen und von Lehreren reden hören, kann ich nicht so viel halten. Und doch könnte man alle die vielen Tugenden, die der Mensch so erfunden hat, mit einem einzigen Namen umfassen. Tugend ist: Gehorsam Die Frage ist nur, wem ich gehorche. Nämlich auch der Eigensinn ist Gehorsam. Aber alle anderen, so sehr beliebten und belobten Tugenden sind Gehorsam gegen Gesetze, welche von Menschen gegeben sind. Einzig der Eigensinn ist es, der nach diesen Gesetzen nicht fragt. Wer eigensinnig ist, gehorcht einem anderen Gesetz, einem einzigen, unbedingt heiligen, dem Gesetz in sich selbst, dem „Sinn“ des „Eigenen“.

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!

Von Meng Hsiä wird berichtet

Als ihm zu Ohren kam, dass neuerdings die jungen Künstler sich darin übten, auf dem Kopf zu stehen, um eine neue Weise des Sehens zu erproben, unterzog Meng Hsiä sich sofort ebenfalls dieser übung, und nachdem er es eine Weile damit probiert hatte, sagte er zu seinen Schülern: «Neu und schöner blickt die Welt mir ins Auge, wenn ich mich auf den Kopf stelle.»

Aus Klein & Wagner

Klein, die Hauptfigur der Erzählung, beschliesst, sich das Leben zu nehmen.

In die kleine Zahl von Augenblicken, welche er von da an noch lebte, war viel mehr Erlebnis gedrängt als in die vierzig Jahre, die er zuvor bis zu diesem Ziel unterwegs gewesen war. Es begann damit: Im Moment, wo er fiel, wo er einen Blitz lang zwischen Bootsrand und Wasser schwebte, stellte sich ihm dar, dass er einen Selbstmord begehe, eine Kinderei, etwas zwar nicht Schlimmes, aber Komisches und ziemlich Törichtes. Das Pathos des Sterbenwollens und das Pathos des Sterbens selbst fiel in sich zusammen, es war nichts damit. Sein Sterben war nicht mehr notwendig, jetzt nicht mehr.

Lust auf Verzicht?

Für wen Verzicht gewinnbringend ist.

Erwerbsarbeit, Konsum und Besitz sind nach wie vor die treibenden Kräfte der früh-industrialisierten Gesellschaften und Basis für deren Gesetzgebungen. Materielle Prosperität und Reichtum bedeuten immer noch Ansehen, Glück und Lebenssinn. Auch unsere Alterssicherungen basieren auf diesen Pfeilern. Zu konsumieren bedeutet immer noch Freiheit und Segen. Längst schon wird viel mehr produziert als wir benötigen.

Aus Martins Tagebuch

Vorgestern war der wichtigste Tag meines Lebens. Da habe ich zum ersten Male etwas erlebt und zu spüren bekommen, was ich vorher gar nicht kannte und wovon mir doch jetzt scheint, ich habe es immer und immer gesucht und geahnt, mein Leben lang. Es hängt mit den Träumen zusammen. Diese hatten mich ja schon immer beschäftigt, und oft war ich erstaunt und traurig darüber, wie flüchtig Träume sind, wie schnell sie am Morgen vergehen, wie schüchtern sie vor der leisesten Berührung mit der Vernunft davonlaufen.

Kauf du Sau!

Sprache ist mächtig. Ohne sie ist Leere im Geiste, ohne sie findet keine Erkenntnis statt. Bewusstes Wahrnehmen, wird nicht wenig durch unsere Sprache bestimmt. Sie ist machtvoll – und kann schön sein! Sie ist mehr als ein Vehikel für Inhalte und Bedeutung. Sie ist eine graziöse Tänzerin in den unendlich vielen Farbtönen der Assoziation. Sie vermag es, ein Feuerwerk aus Bildern in unserem Kopf zu zünden, sie ist rhythmisch und malt Klänge tief ins innerste Ohr.

Das Fest der Liebe 12/13

Gedicht zum Advent (Neufassung von 2018)

Es glitzern die Lichter im Advent und Düfte von Zimt, Nelken und Wein
laden zum Besuch des Jahrmarkts ein.
Schenken sagt man, das bringt Glück! 
Den einen Lieben ein edles Stück
und den lieben Kindern was zum Spielen,
nicht ohne auf deren funkelnden Augen Dank zu schielen.

Laute Verkäufer, mahnende Worte müder Eltern und der Kinder Geschrei.
der Leute Gemurmel, Weihnachtslieder, Durchsagen, Einerlei 
Verloren in Menschenmassen Bedürfnissen, allein
Übersatt von Angeboten und Feilscherei'n
sehnt mein Herz nach einer Pause;
sehnt es sich nach Hause.

Stimmengewirr und Marktgetöse verhallen
und Schneeflocken leise tanzend vom Himmel fallen,
der schnaufend Hauch entweicht sichtbar in die kühle Winternacht 
Die Welt verstummt im Kleid der weissen Pracht.
nur knirschende Schritte und des Atems dumpfer Klang
bleiben hörbar auf des Heimwegs Gang.

Aus der Stille erklingen leise Töne, und festliche Musik lässt ahnen,
wohin sich Liebe und Freude Wurzeln bahnen.
Lauschend, den nun immer mächtigeren Chören,
mitsingend, die eigene Stimme hörend.
Des Herzens Schlag hebt an zu schweben,
das Himmelreich im Innern beginnt sich zu erheben.

Jetzt endlich, alleine mit der Zeit, 
entfesselt der Liebe Kraft die Energie,
die glühendes, glitzerndes Leuchten in die Augen treibt.
Welt und Gott klingen zusammen in Harmonie.
himmlische Chöre und Posaunen Schall, 
Fröhliche Weihnachten überall.

 

Original Fassung von 2012